“Erneuerbare Energien kurbeln Wirtschaft an”

Juwi-Vorstände Jung und Willenbacher im Interview: Hohe Investitionen und viele neue Arbeitsplätze

Erneuerbare Energien sind eine Jobmaschine – auch in der Krise. Bislang arbeiten in diesem Sektor bundesweit knapp 300.000 Menschen. Bis 2020 werden es bis zu einer Million sein. Die juwi-Gruppe aus Wörrstadt steht beispielhaft für diesen Boom. Fred Jung und Matthias Willenbacher, die Vorstände von juwi, erläutern im Interview die Hintergründe.

Frage: Juwi wächst derzeit um mehr als 20 Mitarbeiter pro Monat. Aktuell zählt juwi mehr als 550 Beschäftigte, davon allein über 350 am Sitz in Wörrstadt. In zwei Jahren sollen es bereits an die 600 in Wörrstadt und rund 1000 weltweit sein. Sind solche Planungen überhaupt realistisch?

Willenbacher: Die sind sehr realistisch. Wir wissen genau, welche Projekte in den kommenden Jahren anstehen. Daher können wir auch genau abschätzen, wie viel Personal wir brauchen.

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Klimaschutzpreis 2008: Die Firmenzentrale von juwi gilt als das energieeffizienteste Bürogebäude der Welt. Foto: M. Czerwinski

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Klimaschutzpreis 2008: Die Firmenzentrale von juwi gilt als das energieeffizienteste Bürogebäude der Welt. Foto: M. Czerwinski

Jung: Unsere Richtschnur ist einfach und klar: Erst wenn die Projekte klar sind, schaffen wir neue Arbeitsplätze. Juwi wächst dynamisch, solide – und organisch, das heißt nicht durch Zukäufe sondern durch selbst entwickelte Projekte.

Juwi wächst bis 2011 auf 1.000 Mitarbeiter – Tendenz weiter steigend.

Frage: Was sind das für Arbeitsplätze?

Willenbacher: Unser Stellenangebot ist ungemein breit gefächert: Der Schwerpunkt liegt zurzeit bei Elektro- und Bauingenieuren sowie Projektmanagern und Kaufleuten. Auf unserer Homepage www.juwi.de kann man sich einen Überblick verschaffen.

Jung: Wichtig: Die Bewerber sollten eine Affinität zu erneuerbaren Energien haben und komplexe Sachverhalte schnell verstehen. Wenn sie internationale Erfahrung mitbringen und mindestens eine Fremdsprache verhandlungssicher beherrschen, ist das ebenfalls hilfreich.

1996 gründeten Fred Jung (links) und Matthias Willenbacher die juwi-Gruppe. Heute beschäftigen die beiden Energiepioniere weltweit über 550 Mitarbeiter – Tendenz stark steigend.

Zwei 100%-Botschafter
1996 gründeten Fred Jung (links) und Matthias Willenbacher die juwi-Gruppe. Heute beschäftigen die beiden Energiepioniere weltweit über 550 Mitarbeiter – Tendenz stark steigend.

Frage: Die Verbandsgemeinde Wörrstadt und der Kreis Alzey-Worms freuen sich – über hohe Gewerbesteuereinnahmen, kräftige Investitionen und eben Arbeitsplätze…

Jung: Wir haben bislang in Wörrstadt knapp 50 Millionen Euro investiert – in den neuen Firmensitz sowie in Referenzprojekte vor Ort wie die PV-Anlage und die fünf geplanten neuen Windräder: Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Wir werden einer der größten Steuerzahler sein, wenn nicht sogar der größte – und das nicht nur in der Verbandsgemeinde Wörrstadt, sondern im kompletten Kreis Alzey-Worms.

Willenbacher: In Wörrstadt sind wir mit offenen Armen empfangen worden – unabhängig von der politischen Couleur. Hier hat man verstanden, worauf es ankommt. Wir haben ein großes Ziel: 100 Prozent erneuerbare Energien. Wir wollen nicht einfach nur einen neuen Firmensitz bauen, sondern auch die erneuerbaren Energien mit Referenzprojekten am Standort voranbringen. In Wörrstadt können wir das.

Frage: Der neue Firmensitz ist das eine. Aber was bringen die jeweiligen Erneuerbare-Energien-Projekte für die Regionen?

Jung: Sehr viel. Wind-, Solar- oder Bioenergie-Anlagen werden dezentral errichtet – also nicht an ein oder zwei Orten konzentriert, sondern breit in den jeweiligen Regionen gestreut. Das Geld, das in die Projekte gesteckt wird, fließt nicht ins Ausland oder in die Taschen der Großkonzerne, sondern bleibt in der Region und schafft viele neue Arbeitsplätze.

Branche sichert bis 2020 bis zu einer Million Arbeitsplätze.

Willenbacher: Wir haben das mal für Rheinhessen beispielhaft durchgerechnet. Würde die Energieversorgung in der Region in den nächsten zehn Jahren auf 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2020 umgestellt, brächte das durch Investitionen und Betrieb der Anlagen Umsätze von deutlich über drei Milliarden Euro – Umsätze, die in der Region bleiben. Diese Umsätze wiederum bringen mindestens 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze – für die Region.

Frage: In bestimmten Regionen können die erneuerbaren Energien sicherlich eine wichtige Rolle spielen. Aber hat die Branche auch die Kraft, bundesweit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor zu sein?

Willenbacher: Auf jeden Fall. Nehmen wir das Beispiel Windenergie. Die Nachfrage nach Strom aus Windkraftanlagen steigt zusehends. Mit ambitionierten Ausbauzielen wollen viele Länder den Siegeszug, den die Windenergie in Deutschland erlebt, wiederholen. Das ist eine Riesen-Chance.

Jung: Deutschland ist in der Windenergie weltweit führend. Die Exportquote liegt hier bei 80 Prozent. Das eröffnet ein riesiges Potenzial an neuen, zukunftsträchtigen Arbeitsplätzen. Insgesamt sind in den erneuerbaren Energien in Deutschland bislang knapp 300.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden. Bis 2020 werden es bis zu einer Million sein.