Presseschau 23. Juni 2009/I

Wie die letzten Tage sind Desertec und das „Greenwahsing“ der deutschen Parteien DIE bestimmenden Themen. Vattenfall-Chef Lars Josefsson ist dagegen, Stephan Kohler von der Deutschen Energieagentur ist dagegen, allerdings baut letzterer auf „effektive fossile Kraftwerke, Wind und Biomasse“. Josefsson hält das Projekt für unrealistisch. Die für das Projekt benötigten Milliarden seien „verdammt viel Geld“, sagte er. Zudem seien die Transportkosten sehr hoch. Hinzu komme das Risiko terroristischer Anschläge. „Europa muss seinen Strom in Europa erzeugen„, so Josefsson. Er will weiter an Kohlekraftwerken festhalten. „Vattenfall wird auch 2050 noch Kohlekraftwerke betreiben“, sagte er. Diese müssten allerdings mit neuester CCS-Technologie betrieben werden, mit deren Hilfe sich CO2-Emissionen unterirdisch lagern lassen. Josefsson ist seit längerer einer der Klimaberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)… Diese wiederum ist „grundsätzlich für ein Gesetz zur unterirdischen Speicherung von CO2, wie es in einer Agenturmeldung heißt. Siemens-Chef Peter Löscher sieht das anders: Er setzt auf Desertec und auf grüne Technologien. Die gesamte Weltwirtschaft werde nach der jetzigen Krise grüner und nachhaltiger sein. „Wir sehen gigantische Wachstumschancen für grüne Technologie.“

So und da wären wir bei den Parteiprogrammen von Union und SPD. Volkspartei kopieren die Grünen, schreibt Friederike von Thiesenhausen in der Financial Times Deutschland, Volkspartei – Die Mitte ist grün, so der Leitartikel aus der FTD. Steinmeier, Schröder und die Jobs von morgen heißt es bei Spiegel Online. Und, freuts die Grünen oder machen ihnen die großen Volksparteien nun Konkurrenz? Parteichef Cem Özdemir wertete die Schwarz-Grün-Debatte und das SPD-Bekenntnis zur Umwelttechnologie als Bestätigung des eigenen Kurses. „Das ist erst mal eine Stärkung für uns“, sagte er. Zugleich betonte er im Tagesspiegel, den Grünen gehe es nicht um mögliche rechnerische Mehrheiten, sondern um die Ökologisierung der gesamten Wirtschaft. Die Union forderte er auf klar zu bekennen, wie sie es mit grünen Kernforderungen nach einem Atomausstieg, konsequentem Klimaschutz und nachhaltiger Haushaltspolitik halte. Özdemir begrüßte die SPD-Forderung nach einem „sozial-ökologischen New Deal“. Jedoch hätten die Grünen die geistige Urheberschaft an dem Projekt. „Da rate ich der SPD dazu, beim Abschreiben keine Flüchtigkeitsfehler zu machen“, sagte er. Zugleich sprach er der SPD eine klare Linie ab. Die Sozialdemokraten seien „programmatisch in höchstem Maße verunsichert“. Also, bei der Wahl aufpassen wo Grün draufsteht und wo Grün drin ist. Denn: was haben neue Kohlekraftwerke und Atomkraft mit Klimaschutz und grünen Leitlinien zu tun?

Diese Überschrift hat mir schon gestern sehr gut gefallen: Windenergie könnte ganze Welt versorgen. Ein weltweites Netzwerk von Windkraftwerken könnte den gesamten aktuellen und künftigen Strombedarf der Menschheit befriedigen, haben nun Forscher um Michael McElroy von der Harvard University in Cambridge festgestellt. Weltweit könnten mit Hilfe von Rotoren theoretisch bis zu 1,3 Millionen Terawattstunden (TWh) pro Jahr erzeugt werden. Im Jahr 2006 lag der weltweite Stromverbrauch nach Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) bei 15.666 Terawattstunden.

Eletromobilität: Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat am Montag in ein Berlin ein Modellprojekt für Elektromobilität gestartet. Ziel  sei es, erneuerbare Energien mit Elektromobilität zu verbinden, sagte er. Vattenfall Europe-Vorstand Tuoma Hatakka wies vor dem Hintergrund der drohenden Ölknappheit auf die sich stellende Frage nach alternativen Energien hin. Von dem Testversuch mit Autos, die mit Strom aus regenerativen Quellen aufgeladen werden, erhoffe sich das Unternehmen nützliche Resultate. Dies sei das „größte Projekt, das es bisher in diesem Bereich gab“, sagt er weiter. 50 BMW-Elektroautos sollen in den nächsten sechs Monaten innerhalb der Stadt fahren.

Zum Schluss noch eine Meldung aus dem Bereich Boulevard: Lukas Podolski wirbt für den Solarworld-Konzern aus Bonn. Unter der Regie von Sönke Wortmann entsteht ein Spot, der am 24. Juli auf RTL Premiere haben soll. „Die Energie, die uns der liebe Gott schenkt, muss ins Netz,“ erklärt Konzern-Chef Frank Asbeck, genau wie ein Fußball ins Tor.

Nun also, was haltet Ihr von dem grünen Anstrich der Volksparteien? Aufspringen auf einen Zug? Ehrliches Engagement und Umdenken? Auf Del.ico.us gibts mehr Informationen, hier könnt Ihr diskutieren und auf Twitter uns folgen. Und für die  EE-Kids gibts heute den zweiten Teil von den Fliegen die auf Windkraft fliegen.