Nicht-Parteiorganisationen im Kampf für den Klimaschutz

Wenngleich nur die Parteien im Grundgesetz als Mitwirker an der politischen Willensbildung genannt werden, kommt auch den Verbänden und Vereinigungen eine besondere Bedeutung zu. Sie nehmen die Interessen ihrer Mitglieder wahr und versuchen gleichfalls die politische Meinung zu beeinflussen.
Grund genug sich einmal anzuschauen, welche Verbände, Stiftungen und so weiter sich zum Thema Klimaschutz im weiteren Sinne auf der politischen Bühne tummeln.
Wir haben einige herausgegriffen und stellen sie Ihnen ausführlicher vor.
Außerdem bekommen Sie von uns eine Linkliste: sollten Sie noch Ergänzungen haben, würden wir uns sehr über eine Nachricht von Ihnen freuen!

Gerne stellen wir auch in einigen Sätzen Ihre Bürgerinitiative und Ihren Kampf für eine gesunde Zukunft vor!

Unsere Themen sehen wie folgt aus:

1) regionale Initiativen zum Thema Klimaschutz
2) überregionale und internationale Initiativen zum Klimaschutz
3) Bundesverbände in den erneuerbaren Energien
4) Stiftungen
5) Umweltverbände

1) Initiativen (regional)

Regional gibt es viele Initiativen, die sich für den Klimaschutz und die Umwelt einsetzen. In vielen Fällen sind sie die Reaktionen auf aktuelle politische Ereignisse, wie der geplante Bau eines Kohlekraftwerkes oder ähnliches. Damit sind diese Initiativen im Allgemeinen nicht auf Langfristigkeit ausgelegt, sondern existieren nur, bis ein bestimmtes Ziel erreicht oder für immer ausgeschlossen ist.

Ein sehr erfreuliches Beispiel ist der Erfolg der „Bürgerinitiave Nein zum Kraftwerksbau“ in Berlin. Der Stromanbieter Vattenfall wollte im Zentrum der Stadt ein Kohlekraftwerk bauen, doch diese Pläne sich nun zurück gezogen worden: es wird kein neues Steinkohlekraftwerk in Berlin geben. Stattdessen werden nun zwei Biomasse-Kraftwerke errichtet. Und auch das bereits existierende Steinkohle-Heizkraftwerk in Berlin-Spandau soll bis 2020 stillgelegt werden.

In vielen Fällen steht aber ein langer Kampf vor dem Bau oder auch nicht Bau eines neuen Kohlekraftwerkes. Das nächste Beispiel zeigt, dass es oft jahrelangen Engagements bedarf und der Ausgang dann noch immer nicht fest steht.

Zeche Rüstersieler Groden
Der Rüstersieler Groden ist ein Baugebiet in Wilhelmshaven, wo Electrabel ein Kohlekraftwerk bauen möchte. Daher auch der Name der Bürgerinitiative, die bereits seit Ende 2007 aktiv ist. Begonnen hat alles mit einem Bürgerbegehren am 3. Dezember 2007. Das Ziel: eine Bürgerbefragung nach §22d, NGO. In der Niedersächsischen Gemeindeordnung heißt es: „1 Der Rat kann in Angelegenheiten der Gemeinde eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger beschließen. 2 Das Nähere ist durch Satzung zu regeln.“ Und genau das wollte die Bürgerinitiative.
Der Gegner: ehemals Electrabel, heute GDF SUEZ Energie Deutschland AG, ein Kooperationspartner der Stadtwerke Gera, Saarbrücken und Wuppertal sowie der Berliner GASAG. Dort plante man bis zu vier Kohlekraftwerke.
Dabei hätten die Anwohner dieser Region nicht nur mit dem Ausstoß des Kohlekraftwerkes zu kämpfen – auch eine Lagerstätte für Steinkohle würde für eine erhöhte Staubbelastung sorgen. Außerdem würden die Kohlekraftwerke weder mit einem CO2-Abscheider noch in Verbindung mit Kraft-Wärme-Kopplung gebaut. In unmittelbarer Nähe würden die Wohngebiete Rüstesiel, Voslapp, Fedderwardergroden, Neuengroden und Altengroden liegen. Der Streit ist quasi vorprogrammiert. Derzeit gibt es 50 aktive Unterstützer und vermutlich noch viel mehr passive. Auch die Wilhelmshavener Ärzte machen sich bereits gegen das Steinkohlekraftwerk stark. Von den großen Parteien sind es lediglich die Grünen, die sich gegen das Steinkohlekraftwerk engagieren: SPD, CDU und FDP unterstützen die GDF SUEZ Energie Deutschland AG in ihrem Bestreben.

Ähnliches erleben viele weitere Bürgerinitiativen, die gegen Kohlekraftwerke in ihren Regionen und Städten kämpfen, hier ein kleiner Überblick:

Von ähnlichem Schlag ist die Initiative Hamburg steigt um – Tschüss Vattenfall, die vor allem Politik gegen den Energiekonzern Vattenfall macht. Rund 100.000 Hamburger haben bereits den Stromanbieter gewechselt und bekommen ihren Strom nun nicht mehr von Vattenfall oder einem anderen Energiegiganten. Seit August 2007 ist die Kampagne bereits unterwegs und wendet sich natürlich nicht nur gegen Vattenfall: allen Stromanbietern, die auf Kohle- und Atomstrom setzen, soll die kalte Schulter gezeigt werden. Aber Ursprung ist das Bedürfnis, Vattenfall zum Umlenken zu bewegen:

  • Dies umfasst die sofortige Stilllegung der Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel,
  • den Stopp der Planungen für ein Kohlekraftwerk in Hamburg Moorburg und
  • das Bekenntnis zu Erneuerbaren Energien, also auch die Förderung und den Ausbau.

Damit stehen die Hamburger übrigens nicht alleine da: auch andernorts wächst das Bedürfnis, sich von den großen Stromkonzernen zu verabschieden und sich für Ökostrom zu entscheiden – wie bei Ulla Gahn.
Alles fing damit an, dass Ulla Gahn ihren Stromanbieter wechselte: sie wollte endlich auch Ökostrom. Als sie dies in ihrem Bekanntenkreis erzählte, war das Interesse riesig. Plötzlich wollten alle ihren Stromanbieter wechseln.
Ulla Gahns Idee: Naturstrom Wechselparties. Sie veranstaltete ein Treffen an einem Sonntagnachmittag und lud alle interessierten Nachbarn und Freunde ein, um sie über das Prozedere und die Kosten zum Thema Stromanbieter und Wechsel zu informieren. Die Begeisterung war groß und so nahm es seinen Lauf. Die nächsten beiden Parties fanden statt, die vierte sogar mit Unterstützung durch die Ökostromanbieter, prominentester Gast: Reinhard Bütikofer, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Zahlreiche Menschen wechselten zum Ökostrom.
Im August 2007 erhielt Ulla Gahn für ihr Engagement den Deutschen Umweltpreis 2007. Seit dem 2.1.2008 ist Ulla Gahns Idee ein eingetragener gemeinnütziger Verein: „Weltverbesserung-sofort-und-hausgemacht“ e.V. und Ulla Gahn und der Verein können auch weiterhin für eine Naturstrom Wechselparty eingeladen werden.

Morgen geht es dann mit den überregionalen Initiativen weiter!