“Die Rechnung” – wer zahlt für unseren Lebensstandard?

Diese Woche wollen wir uns im 100%-Blog dem Thema Erneuerbare Energien und Klimaschutz in Filmen widmen. Der Anfang macht der Kurzfilm “Die Rechnung”, wir werden über den Kinofilm Energy Autonomy berichten und Euch am Freitag zu einer ganz besondere 100%-Aktion mitnehmen. Was genau das sein wird, verraten wir heute noch nicht. Nur so viel: Filme spielen dabei eine große Rolle!

Der Film “Die Rechnung” von Regisseur Peter Wedel gewann den Germanwatch-Kurzfilmwettbewerb 2008/2009. Der Vierminüter verdeutlicht, welche Folgen unser hoher Lebensstandard mit Fernreisen und Energieverschwendung für das Weltklima hat. Wie die Industrienationen auf Kosten der Schwellenländer leben. Aber auch welche Alternativmodelle es gibt.

100%: Was war zuerst da – die Idee zum Film oder die Wettbewerbsausschreibung?

Peter Wedel: Die Ausschreibung. Ein Freund von mir machte mich auf den Wettbewerb aufmerksam und anschliessend beschlossen wir zu dritt Ideen zusammenzutragen und zu entwickeln. Letzlich haben wir zwei Drehbücher eingereicht, wobei “Die Rechnung” von Anfang unser Favorit war. Das Drehbuch war also echte Teamarbeit von Heiner Rosch, Dirk Wenzel und mir – aus zeitlichen und produktionstechnischen Gründen habe ich dann aber schließlich Produktion und Regie alleine übernommen.

100%: Was ist die Idee hinter dem Film? Was war Deine (persönliche) Motivation für den Film?

Peter Wedel: Die Idee folgt dem Thema der Ausschreibung “Klimawandel und Armutsbekämpfung”: Fragestellung war also, wie können wir die Zusammenhänge zwischen unserer Lebensweise, den Auswirkungen auf den Klimawandel und den Folgen für Bewohner der Entwicklungsländer aufzeigen ohne allzusehr den Zeigefinger
zu heben. Die Grundidee, daß der Kellner  eine “Klimarechnung” präsentiert kam Heiner Rosch ganz klassisch, als wir  zu dritt in der Kneipe saßen und über Drehbuchideen redeten. Uns war sehr wichtig, dass der Film witzig
sein sollte und gerne auch ein bißchen provozierend, um hoffentlich den Einen oder die Andere zu überraschen und damit eventuell ein klein wenig aufzuwecken.

100%: Was möchtest Du de Zuschauern mitteilen? Und wen möchtest Du erreichen?

Peter Wedel: Ganz simpel: Liebe Leute, werdet Euch bewußt, daß wir schuld sind am Klimawandel und die Hauptbetroffenen der Auswirkungen nichts dazu beigetragen haben. Der Film soll den Blick für die Relationen schärfen: Wie oft hört man von den Schwellenländern, deren Wirtschaft expandiert und wo wöchentlich ein
Kohlekraftwerk ans Netz geht. Das ist aber nicht das Problem – sicherlich sollte man das Wachstum und den Energieverbrauch in die richtigen Bahnen lenken  – ABER im Vergleich zu unseren pro Kopf Emmissionen liegt zum Beispiel Indien immer noch weit hinter uns.
Wen man erreicht ist letztlich immer eine schwierige Frage. Natürlich haben wir die meisten positiven Reaktionen auf den Film aus der “Szene” erhalten, also von Leuten, die sich eh mit dem Thema beschäftigen. Wir haben aber das Glück der prominenten Besetzung und hoffen natürlich darüber auch Leute zu erreichen, die sich bislang weniger Gedanken gemacht haben. Ausserdem ist der Film natürlich gut geeignet für die Bildungsarbeit in
Schulen. Man könnte zusammen mit den Schülern analysieren, wie die einzelnen Posten der Rechnung zusammen kommen usw.

100%: Wie ging es nach der Produktion weiter – wo war oder ist der Film zu sehen? Gab es Filmvorführungen, in Kinos oder bei Veranstaltungen? Wirst Du damit noch an anderen Wettbewerben oder Festivals teilnehmen?

Der Film hatte seine Premiere am 6. Juni auf dem Development and Climate Day II in Bonn im Haus der Geschichte. Das Thema der Veranstaltung hieß: “Survival at stake? What is needed in Copenhagen for the most vulnerable?”
Im Moment läuft die Finanzierung für eine Kinoauswertung auf Hochtouren. Es sieht sehr gut aus, dass das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Germanwatch e.V. Gelder bewilligt. Geplant ist “Die Rechnung” in knapp 50 Multiplexkinos bundesweit für eine Woche im November zwischen Werbeblock und Trailerrolle zu zeigen. Einen Etappensieg können wir da seit letzter Woche verbuchen: im Kölner Filmhaus läuft “Die Rechnung” bis Anfang Dezember im Vorprogramm.
Dann nehmen wir natürlich an zahlreichen Festivals teil und haben Kontakte zu Filmkunst- oder Programmkinos, die den Film hoffentlich auch hin und wieder als Vorfilm zeigen werden.
Wir haben mittlerweile schon ca 30 DVDs versandt an die verschiedensten Multiplikatoren. Von Pfarrern und Lehrern bis hin zum Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum in  Baden Württemberg. Auf youtube haben wir über 40.000 Klicks erreicht. Spannend dabei, dass auch die englische Version mittlerweile vo 15.000 Menschen gesehen wurde. Eine französische Untertitelung ist in Arbeit für eine französischen Klimakampagne für
Kopenhagen, die WWF, Greenpeace und andere französischen NGOs gestartet haben. Ausserdem gibt es Pläne für eine chinesische Untertitelung für ein chinesisches Umweltfilm Festival. Man darf also wohl sagen: Der Film ist
sehr erfolgreich!

100%: Ansporn für Dich, mit Umweltfilmen weiter zu machen?

Peter Wedel: Definitiv. Es gibt bereits ein Projekt in konkretem Planungsstadium, zwei weitere wunderbare Ideen mit fertigen Drehbüchern liegen bereit und warten auf auf Finanzierung.
Das ist aber natürlich das große Problem. “Die Rechnung” entstand als absolute Low-Budget-Produktion, nur möglich mit Hilfe massiven Sponsorings und der tatkräftigen Mithilfe zahlreicher freiwillger Helfer und Teammitglieder. Auf diese Weise kann man aber eigentlich nur einmal im Jahr produzieren. Mitarbeiter und Partner müssen schließlich mitunter auch bezahlt werden für Ihre Arbeit. Budgets für Werbung, Kampagnen oder
Bildungsarbeit sind in der Regel aber knapp bemessen. Wir müssen also geduldig die verschiedenen potentiellen Möglichkeiten der Finanzierung abgrasen und immer flexibel auf die real vorhandenen Budgets reagieren.
Aber unsere Firma ecofilm ist gegründet, wir haben viele Ideen und Pläne und werden uns mit großer Energie in den nächsten Monaten an deren Verwirklichung machen…

100%: Vielen Dank und viel Erfolg für weitere Projekte. Und nun: Film ab!

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