Baden-Württemberg – stark bei der Wärme, schwach beim Strom

Baden-Württemberg – das südwestdeutsche Bundesland gehört flächenmäßig und bezüglich der Einwohnerzahl zu den größten deutschen Bundesländern. Auf gut 35.000 qm leben und arbeiten gut 10 Millionen Menschen. Im Jahr 2007 wurden hier 65.748.376 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt (brutto). Im gleichen Zeitraum wurden 71.386 Millionen Kilowattstunden im Land verbraucht. Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien lag in 2007 bei 72.427 Millionen Kilowattstunden. Nach Erhebungen des Leitsterns 2008 waren das in Prozent 9,67, also unter dem Bundesdurchschnitt. Beim Leitstern landete das Bundesland dadurch auf Platz zehn. Jedoch: „Das Land ist bei der Förderung von Heizungsanlagen auf Basis von Holz sowie Solar- und Erdwärme ambitionierter Vorreiter.“ Das liegt am „Gesetz zur Nutzung Erneuerbarer Wärme in Baden-Württemberg“ (Nutzungspflicht von Heizungen auf Basis Erneuerbarer Energien für Neubauten ab 2008 und im Gebäudebestand ab 2010). In der Kategorie „Erneuerbare Wärme“ landet Baden-Württemberg deshalb auf Platz eins. Als positiv wird das „Energiekonzept Baden-Württemberg 2020“ bewertet. Darin enthalten ist bspw. Energiesparkonzepte, eine Verdopplung der Kraft-Wärme-Kopplung und einen Ausbau erneuerbarer Energien bis 2020 auf 20 Prozent.

Ein Ausbauziel, was wirklich als unambitioniert bezeichnet werden kann. Woher dann der Strom kommt? Aus Kernenergie (50 Prozent) und Kohle (knapp 30 Prozent). Die ausformulierte Strategie klingt recht weich: „Die Landesregierung strebt daher an, langfristig einen ausgewogenen Energiemix zu sichern, bei dem ausnahmslos alle zur Verfügung stehenden Energieträger möglichst optimal zu berücksichtigen sind. Häufig sind die genannten Ziele konkurrierend. Es ist daher wichtig, Maßnahmen zu identifizieren, die mehrere dieser Ziele miteinander vereinen und langfristig eine ausgewogene Zielerreichung gewährleisten.“ Und weiter: „Mittelfristig, d. h. innerhalb der nächsten 20 Jahre, benötigt der Energiestandort Baden-Württemberg weiterhin einen ausgewogenen Energiemix aus Kernkraft, fossilen Energieträgern (mit modernen Technologien) sowie erneuerbaren Energien.“
Die Agentur für erneuerbare Energien kritisiert:
Im Bundesländervergleich liegt Baden-Württemberg in folgenden Punkten hinten:
– Restriktive Planungs- und Genehmigungspraxis, v.a. bei der Windenergie
– Anteil Windenergie am Stromverbrauch bei 0,5 Prozent, trotz günstiger Windverhältnisse
– Geringe Forschungsausgaben des Landes im Bereich Erneuerbare Energien

Einen Lichtblick gibt es jedoch: die Solarregion Freiburg. Hier wurden bereits viele Projekte realisiert. Beispielsweise waren in 2006 auf gut 11.000 qm Photovoltaik installiert. Damit steht die Stadt auf Platz zwei der Solarbundesliga. Freesun hilft dabei: Die interaktive Karte zeigt das Potential der Sonnenstadt. Und der User findet gleich praktische Tipps, wie er sein Hausdach für Solarenergie nutzen kann.
Ausgezeichnet und außergewöhnlich: Der Architekt Rolf Disch und sein Heliotrop. „Dem drehbaren Solarhaus Heliotrop liegt die Idee zugrunde ein Gebäude zu konstruieren, das höchsten Ansprüchen an Architektur und Umweltschutz genügt und dennoch ohne lästige Einschränkungen seinen Bewohnern exklusiven Wohnkomfort bietet.“
Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: Baden-Württemberg wartet mit einigen ausgezeichneten Kommunen aus, die sich für eine saubere Energieversorgung engagieren.