Den Klimawandel „Zur Kenntnis genommen“

So kommt es einem vor: nach zwei Wochen Verhandlungen sind sich alle einig, der Klimawandel ist irgendwie ein Problem, er wird zur Kenntnis genommen. Okay, dieser Kommentar würde Bemühungen mancher Staatschef nicht gerecht. Beispielsweise lobt die Süddeutsche Zeitung das Engagement von Angela Merkel: „Angela Merkel genießt international den Ruf, eine brillante Verhandlerin zu sein. Weil sie, wie viele Politiker sagen, gerade beim Kampf gegen Klimawandel ihre intellektuelle Fähigkeit zur wissenschaftlichen Analyse und ihren politischen Instinkt in erfolgreiche Politik umzusetzen weiß. Die Physikerin wisse um die Gesetze der Natur, sie verstehe die Forschungsberichte der Wissenschaftler. Die Kanzlerin verstehe es, diese Kenntnisse zu nutzen.“ Aber: „Angela Merkel gibt sich als harte Verhandlerin, doch als sie gegen Mitternacht vor die Presse tritt, steht ihr die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Sie sehe das Ergebnis des Gipfels „mit gemischten Gefühlen“, sagt sie. Die Kanzlerin ist letztlich gescheitert.“

Spiegel Online wird direkter: „Es war eine Zusammenkunft der Versager, die der Welt ein Gut entzog, das ebenso wichtig ist wie die dramatisch knapp werdenden Rohstoffe: Vertrauen.“ Der Missmut ist nachzuvollziehen: keine Vereinbarung, kein Commitment, keine Zahlen. Nur irgendwie eine vage Einigkeit, dass etwas getan werden muss. Aber wer? Und wie?
Wie wir ja auch schon letzte Woche geschrieben haben – wenn es die großen nicht schaffen dann muss das Engagement „von unten kommen„: „Niemand hindert Deutschland also daran, auch ohne Abkommen seine Ziele weiter zu verfolgen. Jedes gedämmte Haus spart Energie und Geld und schont das Klima. Die Nutzung erneuerbarer Energien, der Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung, um Gebäude zu heizen und gleichzeitig Strom zu erzeugen, das alles bedeutet einen Fortschritt gegenüber unserer heutigen verschwenderischen Form der Energieversorgung. Es gibt also keinen Grund, den Umbau der Energieversorgung und der Wirtschaft insgesamt nicht weiter voranzutreiben,“ schreibt die Badische Zeitung.
Die junge Welt übt sich in Optimismus: „Was all das für den Klimaschutz und den Fortgang der Verhandlungen bedeutet, ist offen und hängt vor allen von zwei Dingen ab: Zum einen haben die Schwellenländer eigentlich ein ökonomisches Interesse daran, ihre Industrialisierung von vornherein auf erneuerbaren Energieträgern aufzubauen. Nicht nur der Klimawandel, sondern auch die in den nächsten Jahrzehnten zu erwartende Verknappung von zunächst Erdöl und Uran und später auch Kohle machen Windkraftanlagen, Solarzellen, thermische Sonnenkraftwerke und ähnliches zur Technologie der Zukunft. (…) Zum anderen hängt viel von der politischen Entwicklung in den Industriestaaten ab. Können die großen Energiekonzerne weiter den Ausbau der Erneuerbaren verschleppen und statt dessen Kohlekraftwerke in die Landschaft setzen? Hierzulande sind in den letzten Monaten immerhin fünf Kohlekraftwerke verhindert worden. Rund 30 Millionen Tonnen CO2 hätten sie jährlich in die Atmosphäre geblasen, oder drei Prozent der derzeitigen deutschen Emissionen. Das war ein Anfang. Mehr Druck ist nötig, um die Erschließung neuer Braunkohlegruben und den Bau weiterer Kraftwerke zu verhindern.“

Also, jetzt erst recht! Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien finden wir einen Ausweg aus der Klimakrise. Und wir treten tagtäglich den Beweis an, auf kommunaler Ebene, mit unseren Botschaftern und anderen Verbündeten. „Die Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen haben leider nicht zum gewünschten Ergebnis geführt,“  kommentiert 100%-Botschafterin Britta Steffen die Konferenz. „Grund für mich, mehr Menschen von erneuerbaren Energien zu überzeugen. Und dabei geht es nicht nur um Klimaschutz. Erneuerbare Energien schaffen Arbeitsplätze, hier vor Ort. Sie sind auch ein Wirtschaftsfaktor geworden, auf den kein Land verzichten sollte.“
An dieser Stelle wollen wir Britta auch von ganzem Herzen zum zweiten Platz bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres 2009 gratulieren. Beste Grüße und Wünsche nach Baden-Baden. Und Danke für Deine Unterstützung.