Vorratskammer AKW: Wie die Atomkraft möglichst lange hält…

… können wir dieser Tage wieder von den Konzern-Chefs von EnBW, RWE und Co. lernen.
Die von SPD und Grünen gesetzlich festgelegte Idee vom gesicherten Atomausstieg nach der Produktion einer bestimmten Strommenge, soll eigentlich die Laufzeiten von Atomkraftwerken regeln. Ist diese Strommenge vollständig vom Atomkraftwerk (AKW) erzeugt worden, muss es vom Netz. Nun kann man diese Strommenge auch ungefähr auf Jahre umlegen, wann ein AKW dann stillgelegt wird. 8.472,13 GWh produzierte z.B. Biblis A im Jahr 2008, alle deutschen AKW zusammen genommen hatten Ende 2008 noch eine Reststrommenge von 1.241.446,38 GWh. Damit könnte man eigentlich auch in etwa errechnen, wann das jeweilige AKW seinen Dienst quittieren muss. Eigentlich.

Doch nun lernen wir aus einem Artikel der Frankfurter Rundschau vom 21.1.2010:
Es geht auch anders! Konzernchefs strecken einfach die erlaubte Strommenge ihrer AKW über eine möglichst lange Zeit – ohne die Bevölkerung zu informieren – und gewinnen so Zeit. Das AKW wird älter, die Stromerzeugung wird gedrosselt und so die Restlaufzeit verlängert und vielleicht kommt ja auch rechtzeitig eine neue Bundesregierung an die Macht? Eine der Atomkraft wohl gesonnene? Die den Ausstieg aus dem Ausstieg fördert und so die Nutzung auch von älteren AKW ermöglicht.

Kommen wir zurück zum Beispiel Biblis A. Dazu heißt es in der Morgenpost: „Der Reaktor Biblis A könne so gefahren werden, „dass wir mit den Restlaufzeiten über die nächste Bundestagswahl kommen““, sagt RWE-Chef Jürgen Großmann.
Das ist ihm offensichtlich gelungen: Biblis A ging 1974 ans Netz. Bedeutet: Es ist bereits seit mehr als 35 Jahren in Betrieb. Mit Unterbrechungen natürlich. Die Regellaufzeit ist also bereits überschritten, die liegt nämlich bei ungefähr 32 Jahren. Zum 1.1.2000 war festgelegt worden, wie viel Strom Biblis A noch bis zu seinem Abschalten produzieren darf: 62.000 GWh. Mit einer jährlichen Produktion von 6.200 GWh, die man ja 2008 locker geschafft hat, wäre also Ende 2009 Schluss gewesen. Aber es kam anders: Ende 2008 hatte Biblis A noch eine Reststrommenge von 5.208,85 GWh. Diese Strommenge hätte Biblis A 2009 schaffen können. Die Reststrommenge ist immer noch nicht verbraucht, deshalb ist Biblis A in Betrieb. Das Vertrauen in die Atomkraft hat Herr Großmann mit seinem Interview keinesfalls gestärkt – gerade wegen seiner verblüffenden Ehrlichkeit.

Und wenn das alles nicht hilft, und die Reststrommengen doch nicht für eine Überbrückung reichen, könnten die Konzernchefs ja immer noch versuchen, Strommengen von neue auf alte AKW zu übertragen. Sicherheit steht ja scheinbar nicht im Mittelpunkt der Planung. Ex-Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte dieses Verfahren seiner Zeit noch untersagt– aber vielleicht haben die AKW-Betreiber ja bei der neuen Regierung mehr Glück.
Im Oktober 2010 soll das Energiekonzept der Bundesregierung vorliegen und vielleicht schaffen die Atom-Konzerne es ja auch, die in Abschalt-Gefahr schwebenden AKW noch so lange am Netz zu halten. Wir wissen ja jetzt, wie es geht. Und wir können nur froh sein, dass durch dieses Verhalten keine Stromlücke entstanden ist: Zum Glück haben wir alle nicht im Dunkeln gesessen, weil Biblis A weniger Strom produziert, wo wir doch so angewiesen sind auf die Atomkraft!

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