Deutsche Welle zeichnet internationale Blogger aus – Kurzer Review zu “The Heat is on”

Am Rande des Deutsche Welle Media Forums “Climate Change and the media” zeichnete die deutsche Radio- und TV Station internationale Blogs aus. Gewinner ist Ushahidi.com, ein Blog aus Afrika, der zur freien Meinungsäußerung und freiem Zugang zu Informationen beitragen will. „Ushahidi.com ist eine in Afrika entwickelte Plattform, die vor allem eines verändert: die Art und Weise, wie Informationen fließen bei Ereignissen, bei denen Menschenrechte gefährdet sind.“ Das sagte Erik Hersman, einer der Gründer des Weblogs am Dienstagabend (22.6.) in Bonn. Auf dem Deutsche Welle Global Media Forum wurden die Preise des internationalen Blog-Awards „The BOBs“ verliehen. Das Blog „Ushahidi.com“ (deutsch: Zeugenaussage) ist Sieger des diesjährigen Wettbewerbs der Deutschen Welle. Ein Team von Afrikanern und US-Amerikanern hat es in Kenia entwickelt. Die Plattform ermöglicht es, zum Beispiel Informationen aus Konfliktregionen und Katastrophengebieten auf einer interaktiven Karte zu visualisieren. Erstmals wurde 2008 auf einer solchen Karte verzeichnet, wo es in Kenia nach den Wahlen zu Ausschreitungen gekommen war. Seither haben Nutzer in vielen weiteren Ländern Ushahidi eingesetzt, etwa zum Auffinden von Erdbebenopfern auf Haiti. „Eines unserer Ziele ist es, zu helfen und Leben zu retten“, sagte Hersman.
In der Kategorie „Spezialpreis Klimawandel“ hat Bruno Rezende aus Brasilien für sein Blog „Coluna Zero“ (deutsch: Säule Null) die Auszeichnung erhalten. „Mein Anliegen ist es, dass Menschen den Konsum verringern, den maßlosen Konsum“, sagte Rezende.

Hier das Video zur Preisverleihung:

Hier noch ein paar weitere Impressionen unter dem Stichwort “Was tust Du gegen den Klimawandel?” vom DWMF:

Und der kleine, große Klimaschützer macht uns allen noch was vor: Der zwölfjährige Felix Finkbeiner, der die Initiative „Plant for the Planet“ ins Leben gerufen hat, plädierte dafür, Kinder und Jugendliche in die Klimadebatte einzubeziehen. „Es geht nicht allein darum, den Polarbär zu retten – es geht um unsere Zukunft.“ Finkbeiner kündigte an, Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Drei-Punkte-Plan zu überreichen: „Erstens: Karbon ins Museum. Zweitens: Klimagerechtigkeit. Drittens: Bäume pflanzen.“

Ähnlich visionär: Der Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard stellte sein Projekt „Solar Impulse“ vor. Piccard plant, die Welt in einem Solarflugzeug zu umrunden. In der Klimadebatte fehle der Pioniergeist: „Statt über Probleme und Kosten zu reden, müssen wir über Lösungen und gesellschaftlichen Gewinn sprechen.“ Schon die heute verfügbare Technik ermögliche es, „50 Prozent der fossilen Energieträger, die wir täglich verschwenden, einzusparen“. Die Medien hätten nicht mehr nur die Aufgabe zu informieren. „Sie müssen auch ermutigen und teilhaben am Bewusstseinswandel“, so Piccard.

„Die Diskrepanz zwischen den Aussagen von Wissenschaftlern und der Darstellung in den Medien ist in den USA so groß, weil die Journalisten aus Unwissenheit die Wissenschaftler nicht korrekt wiedergeben“, sagte die US-Wissenschaftlerin Naomi Oreskes in einem DW-MF-Workshop in Bonn. Deshalb hätten die Klimaskeptiker dort solchen Einfluss. Gemeinsam mit Bob Ward vom Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment und dem ehemaligen BBC-Journalisten Alexander Kirby diskutierte Oreskes  über die Rolle der Klimaskeptiker in den Medien. Zu lange, so Oreskes, hätten die Medien das Thema als eine rein wissenschaftliche Diskussion betrachtet, die ideologisch begründet sei. „Doch die globale Erwärmung ist keine Debatte mehr, sondern ein wissenschaftlich belegtes Faktum.“ Die sogenannten Klimaskeptiker seien „keine ernsthaften Widersacher“, weil ihre Kritik nicht sachlich fundiert sei. Es handele sich eher um „notorische Ignoranten“. Es seien dieselben, die schon die negativen Auswirkungen des Tabakkonsums nicht wahrhaben wollten.
Bob Ward attestiert den Medien in Großbritannien „Ignoranz in den Interviews“. Es sei erstaunlich, so Ward, dass viele von ihnen in der Klimadebatte nicht den „Unterschied zwischen Fakten und Fiktion“ erkennen würden, kritisiert der Wissenschaftler. Er räumt allerdings ein, dass auch die Forschung gravierende Fehler gemacht habe: „Der Weltklimarat war viel zu langsam in der Korrektur der Fehler, die gemacht wurden.“ Alexander Kirby bezeichnet sich selbst als „Klimaskeptiker“ – eben weil er Journalist sei: „Ernsthafter Journalismus ist immer skeptisch.“ Kirby betont, es gebe auch unter den Skeptikern ernsthafte Theoretiker; mit ihnen könne und müsse man diskutieren. „Aber die Mehrzahl hat niemals einen wissenschaftlichen Artikel geschrieben.“ Allerdings sollten Journalisten sich davor hüten, es allen recht machen zu wollen. Bei bestimmten Fragen könnten die Medien nicht neutral bleiben. Kirby: „Ein System wie die Apartheid ist von Grund auf unmoralisch. Und das muss man als Journalist auch sagen.“ Aufgabe der Medien sei es nicht, „eine unausgewogene Realität ausgewogen darzustellen“.