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Energiestudien: Atomausstieg ohne Stromlücke
Ein schneller Ausstieg aus der Atomkraft ist technisch möglich. So stellt das Umweltbundesamt in seiner Studie „Atomausstieg und Versorgungssicherheit“ fest, dass ein Atomausstieg bis 2020 nicht zu einer Gefährdung der Versorgungssicherheit führen würde. Wie in der Studie weiter zu lesen ist, ist trotz des Ausstiegs eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 2020 möglich – eine weitere Belastung des Weltklimas könnte somit vermieden werden.
Auch die Studie des Ökoinstituts „Schneller Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland. Kurzfristige Ersatzoptionen, Strom- und CO2-Preiseffekte“ im Auftrag des WWF stellt fest, dass die deutschen AKW-Kapazitäten problemlos ersetz werden können: durch vorhandene Reserven im Kraftwerkspark, durch bereits im Bau befindliche Kraftwerke sowie durch künftig zu bauenden Kraftwerke (im Umfang von 25 Prozent der bestehenden AKW-Leistung).
Auch die Studie „Entwicklung des deutschen Kraftwerksparks und die Deckung des Strombedarfs“ im Auftrag des Rates für nachhaltige Entwicklung kommt zu dem Schluss, dass eine Versorgungslücke wenig wahrscheinlich ist. Wie die „Studie zum Potenzial der Windenergienutzung an Land“ des Fraunhoferinstituts im Auftrag des Bundesverbandes WindEnergie belegt, könnte allein die Windenergie an Land künftig 65 Prozent des deutschen Strombedarfs decken und damit die Atomkraftwerke gleich zweimal ersetzen.
Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie nimmt an, dass regenerative Energien bis 2020 47 Prozent des deutschen Strombedarfs liefern können – und somit den 22-prozentigen Anteil der Kernenergie zu ersetzen vermögen. Das Sondergutachten „Wege zur 100 Prozent erneuerbaren Stromversorgung“ des Sachverständigenrates für Umweltfragen hält einen Atomausstieg nicht nur für möglich sondern auch für nötig um den künftigen Ausbau regenerativer Energien nicht zu gefährden. Denn die unflexiblen Atomkraftwerke sind nicht in der Lage die schwankende Einspeisung regenerativer Energien zu ergänzen. Somit ist Atomkraft (im Gegensatz zur häufig vertretenen These) keine sinnvolle „Brückentechnologie“. Zu diesem Schluss kommt auch das Gutachten „2050 – Die Zukunft der Energie“ von Professor Olav Hohmeyer (Universität Flensburg) im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick.
Eine Laufzeitverlängerung führt zu keiner signifikanten Senkung der Strompreise. Wie die „Kurzanalyse zu den potenziellen Strompreiseffekten einer Laufzeitverlängerung“ des Ökoinstitutes im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit darlegt, sind die Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung auf den Strompreis vorsaussichtlich sehr gering (voraussichtlich deutlich unter 0,5 Cent je Kilowattstunde) und zudem nur vorübergehend. Auch die oben bereits erwähnte Studie „Schneller Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland. Kurzfristige Ersatzoptionen, Strom- und CO2-Preiseffekte“ kommt zu dem Schluss, dass die zu erwartenden Preiseffekte “sehr begrenzt sind und letztlich in der Bandbreite der Preisschwankungen der letzten Monate und Jahre liegen”. Es wäre jedoch auch möglich, dass die Laufzeitverlängerung zu einem Anstieg der Strompreise führt: Da die Laufzeitverlängerung den Bau moderner Kraftwerke bremst, hemmt sie die Modernisierung des deutschen Kraftwerksparks was wiederum mittelfristig zur Kostensteigerungen führt.
Eine Stromversorgung auf 100 Prozent regenerativer Basis ist möglich! Die folgenden vier Studien kommen unabhängig voneinander zu dem Schluss, dass eine vollständig regenerative Stromversorgung bis 2050 möglich ist: Die Studie „Energieziel 2050: 100% Strom aus erneuerbaren Quellen“ des Umweltbundesamtes, das Sondergutachten „Wege zur 100 Prozent erneuerbaren Stromversorgung“ des Sachverständigenrates für Umweltfragen, der „energy report – 100 % renewables by 2050“ der im Auftrag des WWF von den Unternehmen ecofys und OMA erstellt wurde, sowie das Gutachten „2050 – Die Zukunft der Energie“ von Professor Olav Hohmeyer für Lichtblick. Wie diese Studien darlegen, kann die Energiewende ohne Stromimporte realisiert werden, da im Inland in ausreichendem Maße regenerativer Strom produziert werden kann. Auch die Versorgungssicherheit kann im neuen System gewährleistet werden.
Darüber hinaus kommen alle vier Studien zu dem Schluss, dass eine Stromversorgung auf erneuerbarer Basis langfristig billiger ist als eine Energieversorgung auf fossiler und atomarer Basis. Grund hierfür ist, dass die Kosten für fossile und atomare Brennstoffe auf Grund der Verknappung des Angebots und der gleichzeitig wachsenden Nachfrage kontinuierlich ansteigen werden. Die Kosten für regenerative Energieanlagen (in Cent je Kilowattstunde) werden demgegenüber zunehmend sinken, da steigende Produktionszahlen und wachsendes technisches Know-How die Produktionskosten drücken. Das Umweltbundesamt weist zudem darauf hin, dass die Umstellungskosten wesentlich geringer sein werden als diejenigen Kosten die durch einen ungebremsten Klimawandel entstehen würden. Zur Illustration: Der Stern-Report des ehemaligen Weltbank-Chefökonom Nicholas Stern schätzt die langfristigen Folgekosten des Klimawandels auf „wenigstens 5% des globalen Bruttoinlandsprodukts jedes Jahr, jetzt und für immer“.
Auch die deutsche Bevölkerung unterstützt die Energiewende. Wie eine repräsentative Umfrage des Forsa Institutes vom 12. April 2011 belegt, befürworten zweidrittel der Deutschen einen Ausstieg aus der Kernenergie. Jedoch wünschen sich nur 15 Prozent, dass die atomaren Kraftwerkskapazitäten durch Kohlekraftwerke ersetzt werden. Demgegenüber sprechen sich 90 Prozent für einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien aus. 73 Prozent davon sind auch dann für einen schnellen Ausbau regenerativer Energien und eine Steigerung der Energieeffizienz, wenn die notwendigen Investitionen zu einer vorübergehenden Erhöhung des Strompreises führen werden.




