Reiner Lemoine Institut bestätigt Schlussfolgerungen des neuen Vergütungsmodells der 100 % erneuerbar Stiftung:

 

Vor kurzem hat die 100 % erneuerbar Stiftung ein neues Vergütungsmodell für regenerative Energie veröffentlicht. Es soll als Vorlage für eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dienen. Das Vergütungsmodell wurde nun vom Reiner Lemoine Institut (RLI) überprüft. In seiner Stellungnahme bestätigt das Institut die Plausibilität der Annahmen sowie die Ergebnisse der Berechnungen der 100% erneuerbar Stiftung.

Durch verschiedene Modifikationen des Vergütungssystems für Wind- und Solarenergieanlagen (u.a. Verlängerung der Vergütungsdauer auf 25 Jahre, Anpassung der Vergütung auf die jeweiligen Anlagenstandorte, Modifikation der Degression im Solarbereich, etc.) möchte die Stiftung eine erhebliche Reduktion der volkswirtschaftlichen Kosten des Ausbaus erneuerbarer Energie erreichen. Mit Hilfe des alternativen Vergütungsmodells sollen insgesamt bis zu 10,8 Milliarden Euro eingespart werden. Das RLI hat die Berechnungen der Stiftung nachvollzogen und sie bestätigt: „Die Ausweisung der möglichen Einsparungen in Milliardenhöhe durch die 100% erneuerbar Stiftung durch ihr Modell konnte verifiziert werden. Selbst der gewünschte, schnellere Ausbau führt nur zu der Hälfte der Kosten wie das bisherige Vergütungs- und Ausbaumodell der Bundesregierung.“ (RLI 2011, Seite 5)

 


 

So entstehen im Windenergiebereich „mit dem Vergütungsmodell der 100% erneuerbar Stiftung (…) zwischen 2012 und 2020 über diesen Zeitraum kumuliert 8,8 Milliarden Euro geringere Differenzkosten“ [1] als im derzeitigen EEG-Vergütungssystem der Bundesregierung. „Bis 2032 summiert sich dies auf ca. 27 Milliarden Euro.“ (RLI 2011, Seite 39). Auch im Photovoltaik-Bereich bestätigt das Institut die Berechnungen der Stiftung: „Unter Verwendung des vorgeschlagen PV-Vergütungsmodells der 100% erneuerbar Stiftung und den Rahmenbedingungen hierzu (siehe Strompreisniveau, Eigenverbrauch, etc.) lassen sich die Kosten der Photovoltaik innerhalb des Zeitrahmens zwischen 2012 und 2020 kumuliert um 1,9 Milliarden Euro senken.“ (RLI 2011, Seite 24)

Um die Belastbarkeit des Modells zu überprüfen hat das RLI verschiedene zentrale Rahmenbedingungen und Annahmen des Modells variiert (u.a. Entwicklung des Strompreises für Endverbraucher sowie an der Strombörse, räumliche Verschiebung des Ausbaus der Erneuerbare-Energie-Anlagen, Verlängerung des Betrachtungszeitraums, etc.). Hierbei konnte durchgehend festgestellt werden, dass das Modell auch unter veränderten Rahmenbedingungen zu ähnlichen Ergebnissen führt. So stellt das Institut im Windenergiebereich fest: „Bei allen betrachteten Variationen von Parametern beim Vergleich der Vergütungsmodelle von Windstrom werden im bisherigen Vergütungsmodell der Bundesregierung erheblich höhere volkswirtschaftliche Kosten induziert. Das ist zum größten Teil in der hohen Vergütung der Offshore-Anlagen begründet.“ (RLI 2011, Seite 4) Auch im Solarbereich kommt das Institut zu einem ähnlichen Schluss: „Aus der Betrachtung der Variationen wird deutlich, dass das Vergütungsmodell für Solarstrom der 100% erneuerbar Stiftung durchgehend weniger volkswirtschaftliche Kosten produziert als das Szenario der Bundesregierung mit dem gegenwärtigen Vergütungsniveau. Lediglich bei einer Extremwertbetrachtung des Eigenverbrauchs im Szenario der 100% erneuerbar Stiftung (ohne Änderung des Eigenverbrauchs im Basisszenario) schwinden dessen volkswirtschaftliche Vorteile. Eine Betrachtung der Gleichsetzung des Eigenverbrauchs bei beiden untersuchten Modellen zeigt, dass hier eindeutig Mehrkosten bei dem derzeitigen Modell der Bundesregierung entstehen.“ (RLI 2011, Seite 33)

Darüber hinaus bestätigt das Institut, dass durch die vorgeschlagenen Modifikationen der Vergütung künftig auch solche Anlagenstandorte erschlossen werden könnten, die nach den Maßgaben des EEG bisher nicht wirtschaftlich betrieben werden können. Im Solarbereich werden „durch die Begrenzung der maximal vergüteten Strommenge (…) Anlagen an schwächeren Standorten bezüglich der Vergütung gleichgestellt. Ein daraus resultierender vermehrter Ausbau von PV-Anlagen auf Dachflächen mit Ost- und Westorientierung kann erheblich zur Verstetigung der Einspeisung führen. Im Bereich der Freiflächen-Anlagen werden durch die begrenzten vergüteten Stunden Anreize zur Direktvermarktung gesetzt. (…) Für [Windenergie-]Standorte auch unterhalb der 87,5%-Standorte wird mit dem Modell der 100% erneuerbar Stiftung im Gegensatz zum geltenden EEG eine Erhöhung der Förderung erreicht. Eine Erschließung bisher nicht rentabler Standorte ist daher wahrscheinlich und führt zu einem größeren Ausbau im Onshore-Bereich. Der dafür notwendige Netzausbau liegt vorrangig in regionaler Verantwortung, wodurch mit kürzeren Vorlaufzeiten und höherer Akzeptanz zu rechnen ist. Die durch die breite Verteilung der Standorte angestrebte größere geographische Streuung der Windeinspeisung kann ebenfalls positive Effekte auf die Gradienten der Windstromeinspeisung haben. Eine eventuelle Überförderung windstarker Standorte, wie sie im geltenden EEG durch die gleich hohe Startvergütung aller Standorte möglich ist, wird durch das Modell verhindert.“ (RLI 2011, Seite 4)

 

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[1] Differenzkosten: Basis des Vergleichs zwischen dem vorgeschlagenen Vergütungsmodell und dem gültigen EEG ist die Ermittlung der Differenzkosten. Differenzkosten beschreiben die Differenz zwischen (1.) sämtliche Vergütungen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die innerhalb eines Jahres für die gesamte Menge regenerativ erzeugten Stroms gezahlt werden, und (2.) dem Preis, der für dieselbe Strommenge gezahlt werden müsste, falls diese aus konventionellen Kraftwerken gewonnen würde (gerechnet in den Strompreisen der Leipziger Strombörse). Die Differenzkosten sind damit ein Maß für die Mehrkosten, welche der Gesellschaft durch die Förderung erneuerbarer Energie entstehen.