Nach Durban ist vor Qatar

Die Klimakonferenz in Durban ist zu Ende. Damit wollen wir beginnen. Und was ist von ihr geblieben? Ein schaler Geschmack oder frischgepresste Hoffnungen? Zitatfetzen wie „großen wegweisenden Erfolg“, „das Ende der Freiwilligkeit im Klimaschutz“ oder „Über die Bedeutung muss noch entschieden werden“ wabern durch die Medien. Reuters berichtet: „Der UN-Klimagipfel in Durban hat sich nach zähen Verhandlungen auf einen Zeitplan für ein neues Abkommen zum Kampf gegen die Erderwärmung geeinigt. Er blieb bei den entscheidenden Fragen aber unkonkret. Mit dem Vertrag sollen erstmals alle wichtigen Produzenten von Treibhausgasen wie die USA und China zum Kampf gegen den Klimawandel verpflichtet werden. Allerdings soll dieses Abkommen erst im Jahr 2020 in Kraft treten, wie am frühen Sonntagmorgen in der südafrikanischen Stadt beschlossen wurde. Bundesumweltminister Norbert Röttgen wertete den Gipfel als Erfolg.“ Die Wochenzeitung Die Zeitwiederum stellte fest: „Klimakonferenzen können die Erderwärmung nicht effektiv bremsen.“ und sieht neue Allianzen am Klimahimmel: „In Durban hat China zum ersten Mal für sich selbst verhandelt und musste so seiner gewachsenen wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Rechnung tragen.
Interessant ist auch, dass die Allianz der Schwellenländer schon zu Beginn des Gipfels nicht mehr einig war. Während Indien darauf besteht, ein Entwicklungsland zu sein und mit dem Recht auf Entwicklung meint, dass jeder Inder so viel Kohlendioxid in der Atmosphäre ablagern dürfen muss wie jeder Amerikaner, zeigte sich China von Anfang an beweglicher.
Brasilien, dessen Senat ausgerechnet während des Klimagipfels ein Waldgesetz beschlossen hat, das dem Amazonas-Regenwald sehr zusetzen wird, hat am Ende die Europäische Union unterstützt. Und Südafrika hatte als Gastgeber wohl kaum eine andere Wahl, als sich auf ein Abkommen einzulassen, das auch die Schwellenländer von spätestens 2020 an zur Minderung ihrer Treibhausgase zwingen soll. Die USA waren bei diesem Gipfel endgültig nur noch an der Seitenlinie zu sehen. Ihre Sabotageversuche waren am Ende nicht mehr erfolgreich.“

Auch das Handelsblatt stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Konferenz bzw. eines internationalen Klimaabkommens: „In Durban hat sich einmal mehr gezeigt, dass die Weltklimakonferenzen nicht das geeignete Forum für effektiven Klimaschutz sind. Dem Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zu vorindustrieller Zeit auf zwei Grad zu begrenzen, ist die UN-Klimakonferenz nicht näher gekommen. Der Gipfel endete zwar mit einem Ergebnis, ist aber in Wahrheit gescheitert.“

Das Ergebnis im Einzelnen fasst die Berliner Morgenpost zusammen: Ein Kyoto-Nachfolgeabkommen soll erst auf der Klimakonferenz in Katar 2012 festgeschrieben werden. 2020 soll ein neues Klimaabkommen („outcome with legal force“) in Kraft treten, das auch Länder abseits des Kyotoprotokolls betrifft. Der im vergangenen Jahr gegründete Green Climate Fund soll ab 2020 mit jährlich 100 Millionen Dollar ausgestattet werden. „Lange Zeit war der Kompromiss allerdings hoch umstritten,“ schreibt der Focus. „Vor allem die USA sowie die vier BASIC-Staaten Brasilien, Südafrika, Indien und China widersetzten sich lange der Forderung der EU für ein rechtsverbindliches Abkommen und forderten zudem, dass das neue Abkommen erst nach 2020 in Kraft treten solle. Vor allem die EU und Indien schienen sich am Ende unversöhnlich gegenüber zu stehen, verständigten sich am Ende aber auf eine Formulierung, die verschiedene Stufen der Rechtsverbindlichkeit vorsieht. Unterstützt wurde die EU von zahlreichen Entwicklungsländern, die sich am Donnerstag der Forderung für einen klaren Fahrplan angeschlossen hatten.
Auch die USA konnte am Ende gut mit dem Kompromiss leben. „Das ist ein sehr bedeutsames Paket“, sagte US-Chefunterhändler Todd Stern. Er räumte zwar ein, dass es einiges gebe, über das die USA nicht begeistert seien. Die Vereinbarung enthalte aber wesentliche Fortschritte, die nicht hätten umgesetzt werden können, wenn sie zurückgewiesen worden wäre.“

„Die Umweltorganisation Germanwatch erkannte an, dass die EU und ihre Verbündeten den USA sowie den großen Schwellenländern den Einstieg in rechtlich verbindlichen Klimaschutz abgerungen hätten. Allerdings reiche das Vereinbarte nicht aus. So sei dennoch eine Temperaturerhöhung von mehr als drei Grad zu erwarten. Bei zwei Grad halten Wissenschaftler den Klimawandel gerade noch für steuerbar,“ schreibt der Focus. Und weiter: „Der Klimaexperte Hans-Joachim Schellnhuber kritisierte die Ergebnisse des Weltklimagipfels. Das „Durban-Paket“ sei „mehr als erwartet, aber es reicht nicht“, sagte der Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung dem Berliner „Tagesspiegel“ vom Montag. „Der Weltklimavertrag kommt auf jeden Fall zu spät“, fügte er hinzu. Das Ziel, die globale Erwärmung unterhalb von zwei Grad Celsius im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung zu halten, sei nur erreichbar, wenn der globale Treibhausgasausstoß vor dem Jahr 2015 zu sinken beginne.“ 

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht Greenpeace „von einer „großen Enttäuschung“. Es bestehe die Gefahr, dass der abgeschwächte Kompromiss lediglich zu einem lose bindenden Abkommen führen werde, sagte der Leiter der Internationalen Klimapolitik von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser. Nun drohe erneut ein langwieriger Verhandlungsprozess. BUND-Vorsitzender Hubert Weiger sprach von einem „löchrigen Rettungsschirm fürs Klima“. So sei es nicht möglich, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Brot für die Welt betonte, in Durban sei nur ein „bedingter Fortschritt“ im Kampf gegen die Erderwärmung erreicht worden. Die Hilfsorganisation Oxfam bewerte den Ausgang der Konferenz verhalten optimistisch. Klimaexperte Jan Kowalzig bezeichnet den Beschluss als gute Grundlage für die künftige weltweite Klimaschutzarchitektur. Allerdings warnte er davor, dass die Erderwärmung wegen der schwachen Minderungsziele dennoch auf eine Erderwärmung von vier Grad zusteuere.“

Wollen wir auf Qatar 2012 warten oder auf Staatenebene nicht Fakten schaffen in dem wir erneuerbare Energie ausbauen, Energiesparen, und klimaschädliche Kraftwerke abstellen?