Rabeder zeigt seinen Weg auf und polarisiert

„Er wirkte auf mich nicht authentisch“ – „Rabeder ist für mich ein Scharlatan! – „Wann gibt es wieder so einen Vortrag?“ – die Meinungen über den Vortrag von Karl Rabeder, dem ehemaligen Millionär und heutigen Microkredit-Geber aus Österreich in der voll besetzten juwi-Mensa polarisierte. Und das war von dem 49-Jährigen auch bewusst so angelegt. Denn seinen Weg – was das Geld angeht – kann sicherlich nicht jeder der Anwesenden gehen, schon allein aus finanziellen Gründen. Doch auf „die Stimme seines Herzens“ kann jeder hören, also in sich hinein fühlen und spüren, ob der derzeitige Weg der richtige ist oder ob es Sinn macht nach- oder umzusteuern. Rabeder rief die Zuhörer dazu auf: „Sie müssen nicht meinen Weg gehen, finden Sie ihren eigenen Weg“.

Dass dieses Nachsteuern in seinem Leben vom Nehmer hin zum Geber richtig ist zeigte die Zufriedenheit, die der als Mensch in Wörrstadt aufgetretene Rabeder bei seinem Vortrag ausstrahlte. Für den einen ein wenig selbstverliebt bis überheblich, für andere wieder authentisch und überzeugend, weil er die Wandlung seiner inneren Einstellung zu Geld und der damit einhergehenden Macht über seine Mitmenschen sehr deutlich vor Augen führte.

Zwei Zitate aus seiner 2011 erschienenen Biografie „Wer nichts hat kann viel geben“ sollen die Botschaft verdeutlichen, die Karl Rabeder in die Gesellschaft tragen will: „Wir haben verlernt, öfter auf unseren Bauch zu hören, weil wir den Kontakt zu unserer eigenen Intuition verloren haben, wie sie für uns im Kindesalter noch ganz normal war. Sie hat uns ermöglicht, ausschließlich im Hier und Jetzt zu leben, weil wir immer nur das getan haben, was sich gut und richtig angefühlt hat,“ sagt Karl Rabeder in seinem Buch.“ Und weiter : „Ein großes Problem unserer Zeit ist, dass die meisten Menschen ihrem Kopf, dem Intellekt viel zu viel Macht einräumen. Sie hören nur auf das, was ihnen die Vernunft einredet und wovon die Gesellschaft sagt, dass es wichtig sei: vorzeigbarer Besitz, Geld, Macht, Einfluss. Viele spüren zwar, dass sie dadurch in ihrem Leben falsche Prioritäten setzen, dass sie viel Zeit und Energie in Ziele investieren, mit denen sie sich insgeheim gar nicht identifizieren. Doch sie scheuen sich davor, sich selbst und ihren Kopf infrage zu stellen. Denn das hätte womöglich zur Folge, dass sie sich eingestehen müssten, viel zu lange den falschen Dingen hinterhergerannt zu sein.“

Karl Rabeders Beispiel zeigt, dass Erfüllung sehr wenig mit Geld zu tun hat, aber viel mit dem Mut, der eigenen Intuition zu folgen. Mit seinen Vorträgen will der 49-Jährige den Zuhörern Mut machen, einen anderen, persönlich erfüllenden Weg zu gehen und sich dabei vom „Bauchgefühl“ leiten zu lassen. Dies muss nicht heißen – und dies hat der Österreicher an diesem Abend auch mehrfach betont – dass alle seinen Weg gehen, sondern vielmehr den für jeden Einzelnen passenden Weg. Da schließt sich wieder der Kreis, denn der 100% erneuerbar e.V. will Anstöße liefern, nicht nur für eine neue, nachhaltige Energiepolitik, sondern auch für einen Wandel der gesamten Gesellschaft vom Nehmer zur Geber und zu bewussterem Umgang mit unserer Umwelt und mit unseren Mitmenschen – und damit mit sich selbst.

Ein aktuelles Interview mit Karl Rabeder ist in dieser Woche auf Spiegel-online erschienen.