Energiepolitik trifft auf Literatur trifft auf Fussball trifft auf Musik trifft auf bürgerschaftliches Engagement

René Mono, Geschäftsführer der 100 prozent erneuerbar stiftung, über die Macher der Energiewende:

„Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ – schon häufig habe ich diesen Satz gesagt bei Vorträgen und Interviews. Doch richtig glücklich war ich mit ihm nicht. Stets erschien er mir etwas zu verkopft und viel zu wenig konkret. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – was soll man sich schon darunter vorstellen?
Am Samstag, 14. April 2012, durfte ich zusammen mit den Veranstaltern eine Lesung im Rahmen des Festivals „Lesen ohne Atomstrom – die erneuerbaren Energietage“ eröffnen.
Vor einigen Woche war ich noch auf der Pressekonferenz gewesen, bei der unter anderem die Unterstützung des Festivals durch die 100 prozent erneuerbar stiftung bekannt gegeben worden war. Dort hatte ich wie so oft wieder von dieser „gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“ erzählt. Und mich gefragt: „Weiß ich eigentlich selbst, was ich damit meine?“
Und dann gestern das Aha-Erlebnis auf der Lesung.
200 Leute drängen sich in den Malersaal im Millerntorstadion. Der FC St. Pauli hat seine Heimstätte kostenlos zur Verfügung gestellt und folgte dem Beispiel des HSV. Zwei Tage zuvor hatte der größere der Hamburger Fussballvereine die Pforten seiner Imtech-Arena für die erneuerbaren Lesetage geöffnet.
Ich erlebe ein buntes, kurzweiliges Programm. Energiepolitik trifft auf Literatur trifft auf Fussball trifft auf Musik trifft auf bürgerschaftliches Engagement.
Schon nach wenigen Minuten weiß ich: Heute Abend werde ich „live“ erleben, wie breit die Unterstützung für die Energiewende, wie aktiv das Interesse an dem vor uns liegenden regenerativen Zeitalter und wie lebhaft der Wunsch nach einer besseren Energieversorgung ist. Von Hamburg geht ein Signal aus: Wir wollen 100 Prozent erneuerbar, wir wollen es so schnell wie möglich und wir sind bereit, dafür zu kämpfen! Die Gestalter des Abends senden diese Botschaft auf ganz unterschiedliche Art und Weise aus: Aktivisten gegen Atomkraft formulieren sie in glasklaren Politikstatements. Die Bäuerliche Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg zeigt sie in einem Filmbeitrag. Musiker einer eigens für diesen Abend zusammengestellten Band improvisieren über sie in kreativ arrangierten Country-Songs. Und die Hauptacts, Hamburger Krimi-Autoren, drücken sie entweder übertragen aus – wie Simone Buchholz in „Schwedenbitter“, Jürgen Ehlers in „Nacht von Barmbeck“ oder Gunter Gerlach in seinen Krimi-Kurzgeschichten. Oder ganz explizit wie STERN-Reporter Wolfgang Metzner in seinem Atomkrimi „Die Grüne Armee Fraktion“.
Welch schönes Gefühl – als ich nach drei kurzweiligen Stunden das Millerntorstadion verlassen! Ja, die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und die Gesellschaft – Literaten, Musiker, Journalisten, Bürger, Bauern, Aktivisten, Fußballer – ist dabei, sie erfolgreich zu lösen.