G. B. Shaw und die Vereinbarkeit des Ausbaus der Erneuerbaren mit dem Naturschutz oder: Warum setzen wir uns nicht endlich an einen Tisch?

„The single biggest problem of communication is the illusion that it has taken place.“ Das soll Bernard Shaw einmal gesagt haben. Und, was er damit meinte, ist:

Die Leute reden übereinander statt miteinander und denken, das sei Kommunikation. Man kann diesen Vorwurf manchmal auch den Verfechtern des Ausbaus und den „klassischen Naturschützern“ machen. Dies ist durchaus seltsam. Denn letztlich geht es um das Gleiche: Die Bewahrung unseres Planeten. Doch es ist eben auch menschlich – zumindest wenn man Shaw glaubt.

Für die 100 prozent erneuerbar ist der Zustand trotzdem unhaltbar. Deswegen arbeiten wir daran, die – um einmal gängige Klischees zu gebrauchen – Windenergieanlagenfetischsten hier und die Krötensammler dort zusammenzubringen und sie ihrer gemeinsamen Verantwortung zu erinnern. Dieses Anliegen hatten wir auch am Montag, den 7. Mai, als wir zusammen mit der Heinz-Sielmann-Stiftung zur Podiumsdiskussion „Mit Energie für die Natur“ nach Stuttgart riefen.

Und sie kamen: Allen voran der Landesminister Alexander Bonde – seines Zeichen zwar für Naturschutz, nicht aber für Energie zuständig.

Und dann in trauter Runde auf dem Podium: Industrielobbyisten, Naturschützer, Klimaschützer, Missionare für Energieeffizienz und mittendrin unser Referent für NGOs und Kommune, Ralf Dunker.

Ihre Statements wurden charmant und gekonnt verwoben von der WDR-Moderatoren Christiane Poertgen. Manchmal schienen die Diskutanten sogar einander zuzuhören. Aber redeten sie wirklich miteinander? Jedenfalls kaum über das strittige Thema: Was darf man und was darf man nicht in Schutzgebieten? Nur ansatzweise über die Frage: Was sind überhaupt relevante Schutzgebiete und wie differenziert man den Schutzstatus? Ganz kurz über den Aspekt: Wie groß dürfen die Schutzgebiete sein, um Ausgleichsmaßnahmen zuzulassen? Für einen Moment über die Idee, dass Klimaschutz nur gelingt, wenn die Parole „Technik gegen Natur“ aufgegeben wird zu Gunsten der Formel „Technik für Natur“, vor allem im hochindustrialisierten Baden-Württemberg. Und am Rande auch mal über die Gretchenfrage schlechthin derzeit, zumal in Baden-Württemberg: Wie gehe ich mit Windenergie im Wald um?

Natürlich – diese Fragen wurden gestreift, aber allzu schnell sprang man zu Altbewährtem. Die Erneuerbaren-Front sprach sich für einen raschen Ausbau der Erneuerbaren aus, die Energieeffizienz-Fraktion für verstärkte Anstrengungen bei Energieeffizienz, die Lobbyisten für Ausgleichsmaßnahmen, und alle nickten erleichtert, als festgestellt wurde:

Man brauche all dies zusammen und müsse es in einem integrierten Zusammenhang sehen.

Trotz aller Bemühungen der Moderatorin muss man am Ende feststellen: Es war zu viel Konsens statt Kontroverse. Nicht, weil kontroverse Diskussionen grundsätzlich unterhaltsamer wären als Gespräche, in denen sich die Gesprächspartner allzu schnell einig sind. Sondern weil Beobachter wie Praktiker – das machten Eingaben aus dem Auditorium ebenso deutlich wie persönliche Gespräche nach der Veranstaltung – das Gefühl beschleicht: Vielleicht ist der Konsens als zu brüchig, allzu oberflächig.

Tatsächlich sind die Probleme in der Praxis manifester, als es die abstrakte Diskussion am 7. Mai im Stuttgarter Naturkundemuseum vorgab. Zielkonflikte sind jedenfalls in rhetorischer Dialektik einfacher zu lösen, als wenn energiewirtschaftlichen Interessen ganz matgen eriell auf Naturschutzgüter treffen. Und doch ist es gut, wenn die Akteure miteinander zu reden lernen. Denn allzu oft fehlt das Vertrauen, um Konfliktlinien im Gespräch zu erörtern, bevor sich die Probleme konkret ergeben oder zuspitzen. Nur dann können auch tragfähige Lösungefunden werden.

Auf die Politik kann man es in diesem Fall nicht schieben. Europa-, Bundes- und überwiegend auch Landesrecht überlassen den Akteuren genügend Spiel- und Gestaltungsraum.

Nun liegt es an Naturschützern, Erneuerbare Energieprojektplanern und -entwicklern, Regionalplanern und Bürgermeistern, Bürgern und Wirtschaftsvertretern ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Das war der gemeinsamer Appel von Heinz-Sielmann-Stiftung und 100 prozent erneuerbar stiftung gestern Abend in Stuttgart. Und diesen Appell werden wir immer wieder erneuern.

Damit miteinander geredet wird. In der Theorie UND in der Praxis.