Vom Lückenfüller zum Aufklärer: Cornelia Daniel über den Virus Energiewende

Cornelia Daniel ist Energiebloggerin und Inhaberin des Unternehmens Dachgold, das Gewerbebetriebe mit Informationen zu den Themen Anlagenbau, Wirtschaftlichkeit und Förderung von Solaranlagen versorgt. Als Bloggerin engagiert sich Cornelia Daniel im Bereich Energiebildung über www.oekoenergie-blog.at, www.ecoquent-positions.com und anhand ihres Twitter-Accounts, der mehr als 3.000 Follower zählt.

100 prozent erneuerbar stiftung: Frau Daniel, warum ist die Aufklärung von Unternehmen und Bürgern im Bereich der erneuerbaren Energien so wichtig?
Cornelia Daniel: Weil nur mit Wissen über die Möglichkeiten der Erneuerbaren und die Kosten der fossilen Energien gewährleistet ist, dass wir auch in Zukunft noch leistbare Energie zur Verfügung haben. Leider gibt es in der Schule noch kein Fach „Energiebildung“, dabei ist dieser Bereich zusammen mit Ernährungswissenschaft eine der wichtigsten Dinge, die man in der Schule lernen sollte. Deshalb müssen wir Unternehmer und Blogger diese Bildungslücke füllen.

100% es: Wie ist die Akzeptanz der erneuerbaren Energien in Österreich und wie wird diese durch Social Media und Blogs beeinflusst?
CD: Wir sind ja das ach so grüne Österreich, also ist die Akzeptanz prinzipiell sehr hoch, es sei denn, man will an der Strompreisschraube drehen. Da sind einige Interessensgruppierungen leider sehr stark und verhindern eine wirkliche Vorreiterrolle Österreichs, wobei ich denke, dass die Bevölkerung mehrheitlich auch ein EEG wie in Deutchland akzeptieren würde. Wir haben jahrelang von einer Sonderstellung im Bereich der Wasserkraft gelebt aber in den letzten Jahren ist der erneuerbare Stromanteil angeblich sogar zurück gegangen, was ich für sehr bedenklich halte. Leider werden diese Zahlen weitgehend unter Verschluss gehalten oder in komplizierten Tabellen versteckt und man weiß eigentlich gar nicht so genau, wie der aktuelle Stand unserer Energieversorgung ist. Die offiziellen Zahlen werden immer mit fast einem Jahr Verspätung veröffentlicht. Ich halte das für einen furchtbaren Misstand, weil wir so ja nie genau wissen, wo wir gerade stehen. Ich hätte sehr gern eine Organisation wie eure AGEB, dafür gibt’s aber angeblich kein Geld. Das sagt meiner Meinung viel darüber aus, welchen Stellenwert Energie bei uns hat. Ich bin da sicher über die Maßen kritisch, aber da ich weder einem Verband noch einer Partei Rechenschaft ablegen muss, darf ich auf so etwas auch hinweisen, ohne einen auf den Deckel zu kriegen. Das ist meiner Meinung nach der größte Vorteil von Social Media. Ich kann eben ohne große Hintergrundorganisation eine Stimme in die Öffentlichkeit haben. Mittlerweile haben auch die Energieblogs in Österreich an Bedeutung zugenommen. Interessanterweise unterhalte ich mich im Social Media Bereich aber so ziemlich ausschließlich mit Deutschen Bloggern, was wieder beweist, dass wir in Österreich nicht so weit sind, wie wir auf europäischer Ebene oft behaupten.

100% es: Welchen Einfluss können Sie mithilfe der modernen Kommunikationswege auf die öffentliche Debatte nehmen?
CD: Ich kann wie oben erwähnt auf Missstände hinweisen, die ein Parteisoldat, ein Kammermitarbeiter oder Journalist mit redaktionellen Anweisungen nie in der Öffentlichkeit aussprechen dürfte. Zudem werde ich mittlerweile tatsächlich gehört. Das ist ja das Schwierigste an der ganzen Sache. Du kannst noch so tolle Dinge schreiben, wenn sie niemand liest, sind sie wertlos.
Mittlerweile haben wir uns außerdem im deutschsprachigen Raum sogar wirklich gut vernetzt und können eine wirklich beachtliche Reichweiten erzielen, von denen so manche Online-Medien nur träumen.

100% es: Was empfehlen Sie dem „Otto-Normal-Bürger“, wenn er das Energie- und Umweltbewusstsein in seinem Umfeld steigern möchte?
CD: Es gibt schon viele Seiten, wo man nach den kleinen Schritten suchen kann, mit denen man ein verantwortungsvollerer Bürger werden kann. Da würde ich mich mal einlesen. Ich bin aber kein Fan vom erhobenen Zeigefinger, obwohl ich mich manchmal dabei ertappe ihn zu heben ;-). Stattdessen, sollte man dort anfangen, wo man selbst einen Nutzen davon hat. Energie und Ernährung hängen enger zusammen als die meisten meinen. Tollerweise geht ein energieschonendes Leben meist mit einem gesünderen Leben einher. Eine klassische Win-Win Situation also. Hat man im persönlichen Bereich dann einen gesünderen Lebensstil entwickelt, kann man seine Fühler etwas weiter ausstrecken. Ist man mal infiziert mit dem Bessermachervirus geht dann ohnehin eins ins andere. Die Lösungen liegen alle schon auf der Strasse, wir müssen sie nur noch aufheben.