Die Energiewende ganzheitlich betrachtet: Martin Jendrischik von Cleanthinking im Interview

Martin Jendrischik ist Gründer und Chefredakteur von Cleanthinking.de, einem Online-Wirtschaftsmagazin das sowohl die Ökologie als auch die Ökonomie von Technologien im Bereich erneuerbare Energien bewertet.

100 prozent erneuerbar stiftung: Herr Jendrischik, was macht Cleanthinking.de im Vergleich zu anderen Online-Magazinen im Bereich erneuerbare Energien so besonders?
Martin Jendrischik: CleanThinking hat einen anderen Blickwinkel: Mal berichten wir aus der Perspektive eines Unternehmens-Gründers, der eine Technologie der Energiewende vorstellt, mal nehmen wir die Perspektive der Bürger ein und fragen: Was kann der Einzelne eigentlich tun, damit die Energiewende in seinem kleinen Umfeld gelingt? Beispielsweise ein Balkonkraftwerk von Sun Invention installieren. Und wie kann ein Unternehmen effizienter mit knappen Ressourcen umgehen? Beispielsweise auf LED-Beleuchtung setzen oder auf wassersparende Technologien.
Dabei steht die Verzahnung von Ökologie und Ökonomie im Zentrum unserer Überlegungen – beispielsweise haben wir uns damit beschäftigt, welche Auswirkungen ein Scheitern der deutschen Energiewende auf die Energiepolitik in aufstrebenden Staaten wie Indien oder Brasilien hat. Aus der Perspektive Deutschlands ergibt sich hier eine „Zweite Rendite der Energiewende“, weil deutsches Know-How exportiert wird.

100%es: Welche Entwicklung hat die Plattform in den letzten Jahren durchgemacht und was sind die weiteren Pläne?
MJ: CleanThinking ist seit 2009 online und hat sich seitdem im Orchester der Energie-Medien einen festen Platz erkämpft. Wir spielen zwar nicht die erste Geige – um im Bild zu bleiben –  aber wir haben mit bis zu 450.000 Besuchern pro Jahr eine wahrlich beachtliche Reichweite erarbeitet. Das Ganze passiert ohne Investoren, ohne nennenswerte Unterstützung der Industrie, ohne überbordende Werbeeinblendungen. Wichtig ist uns aber der Enthusiasmus für die Themen und der Schwung, etwas bewegen zu können.

100%es: Cleanthinking ist auf die Ökonomie von Technologien spezialisiert: Kann man die erneuerbaren Energien überhaupt rein wirtschaftlich betrachten oder steckt nicht immer auch ein Stück Idealismus dahinter?
MJ: Nimmt man etwa die Photovoltaik, hat man in vielen Anwendungsszenarien längst die Grid Parity erreicht. Insofern ist es auch immer eine ökonomische Betrachtungsweise. Technologien, die sich mittelfristig nicht wirtschaftlich rechnen, setzen sich auch nicht durch. Das EEG hat viel Positives bewirkt. Jetzt ist es an der Zeit, davon Abstand zu nehmen und Technologien zu verkaufen, die sich ohne EEG rechnen. Aber nichtsdestotrotz: Es wird in Zukunft auch einiges an Lifestyle-Produkten geben, bei denen – wie vielleicht beim iPhone – der Rationalismus ein Stück aussetzt. Es gibt in Deutschland eine Stimmung des „Jetzt erst recht“ – was bedeutet, dass die Menschen ohne auf die Politik und die Großkonzerne zu schauen, die Energiewende bewältigen wollen. Mit großem Engagement von Energiegenossenschaften und vielen enthusiastischen Unternehmern.

100%es: Welche Rolle spielen Kommunikation und die Informiertheit der Bürger für die Energiewende?
MJ: Die Kommunikation der Energiewende, die sich beispielsweise das spannende Projekt EnergieCity Leipzig auf die Fahnen geschrieben hat, spielt eine ganz wichtige Rolle. Auch im Film „Leben mit der Energiewende“ wird das – nicht gerade zum Vorteil der großen Medien – diskutiert. Es gibt eine Fülle an Fehlinformationen, da müssen wir noch jede Menge Aufklärungsarbeit leisten. In jeglicher Hinsicht.

Weitere Informationen unter: www.cleanthinking.de