Ausgezeichnet: Bürgerenergie

Die Leser des Magazins „klimaretter.info“ haben entschieden: Das Energiedorf Bergheim hat den Titel „Bürgerenergiegenossenschaft des Jahres 2013“ verdient, weil sich die hessische Genossenschaft vorbildlich für den dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien engagiert. Der mit Geldeinlagen im Gesamtwert von 17.000 Euro dotierte Preis wurde von der 100 prozent erneuerbar stiftung gestiftet und in Kooperation mit dem Magazin klimaretter.info in diesem Jahr erstmals verliehen.

Am Freitag (8. November) wurde dem Energiedorf Bergheim von René Mono, Geschäftsführer der 100 prozent erneuerbar stiftung, im Bergheimer Heizwerk die Urkunde und eine Einlage in Höhe von 10.000 Euro als Preisgeld verliehen. Gewinner der Einlage ist klimaretter.info-Leser Alexander Huber, der das anspruchsvolle Energiequiz als einer von 465 Lesern richtig gelöst hat und am Ende Fortuna auf seiner Seite hatte.

Rene Mono gratulierte Hartmut Langlitz, Ortsvorsteher von Bergheim und Aufsichtratsvorsitzender der Genossenschaft, und wünschte der Genossenschaft viel Erfolg bei allen weiteren Plänen. „Besonders freut uns, dass das Energiedorfs Bergheim ein Nahwärmenetz plant. Denn die Energiewende ist nicht nur eine Stromwende. Die Integration des Strom- und  Wärmesektors hat höchste Priorität  für die Energiewende,“ betont René Mono.

Einige Vertreter der Energiegenossenschaft Bergheim mit René Mono (2.v.li.) und Marco Eisenack (6.v.re.)

Für die Bergheimer sind Auszeichnungen nichts Neues. Im vergangenen Jahr wurde die Initiative unter anderem bereits mit dem Umweltschutzpreis des Wetteraukreises ausgezeichnet. Der Preis von Klimaretter.info hat für die Genossen jedoch einen besonderen Stellenwert. Die 10.000 Euro sollen in der Genossenschaft zur Weiterentwicklung und zum weiteren Ausbau des Selbstversorger-Konzeptes eingesetzt werden.

Mittlerweile werden in Bergheim 300.000 Liter Heizöl eingespart und über die Hälfte der Haushalte mit Fernwärme aus dem Hackschnitzel-Kraftwerk versorgt. “Die Emissionen aus dem Schornstein des Heizkraftwerks sind durch die mehrfachen Filter so sauber, wie sie keinen privaten Schornstein verlassen können”, sagt Langlitz. Das 3,5-Millionen-Projekt habe die Fachkompetenzen eines ganzen Ortes gebündelt.

Die Genossenschaft aus der hessischen Provinz konnte rund 39 Prozent aller Stimmen für sich gewinnen. Insgesamt hatten sich 38 Bürgerenergiegenossenschaften um den Preis beworben. Über die Bewerbungen der Kandidaten konnten die Leser auf der Seite von klimaretter.info von 1. August bis 13. September abstimmen. Lange sah es so aus, als ob die Energiegenossenschaft Berlin-Brandenburg die Nase vorn behalten würde, aber in den letzten Tagen der Abstimmung konnte Bergheim mehr Sympathien gewinnen und die Genossenschaft aus der Hauptstadt auf den zweiten Platz verweisen. Auf Platz drei landete die Norddeutsche Energiegenossenschaft.

Der Vorstand der Energiegenossenschaft Berlin-Brandenburg eG nimmt die Urkunde über den zweiten Platz entgegen

Wir hätten die Einlagen jedem Bewerber gegönnt. Aber wir freuen uns besonders, dass mit der Genossenschaft eines 700-Seelen-Dorfes eine Genossenschaft das Rennen gemacht hat, die das strukturelle Gegenmodell der klassischen Energiekonzerne ist. Schöner hätten unsere Leser das Thema dezentrale Energieversorgung nicht auf den Punkt bringen können“, gratulierte Verlagsgeschäftsführer Marco Eisenack den Gewinnern bei der Preisverleihung.

Die 100 prozent erneuerbar stiftung war auch Initiator der Kampagne Die Wende – Energie in Bürgerhand. In diesem Kontext wurde die Leuphana Universität Lüneburg sowie trend:research beauftragt, eine Marktanalyse Bürgerenergie zu erstellen. Eindeutiges Ergebnis: Die Bürger sind die Treiber der Energiewende. Ihr Beitrag ist fast viermal so groß wie der der Energieversorger. Die Arbeit der Genossenschaften gemeinsam mit klimaretter.info zu würdigen ist mir ein echtes Bedürfnis, sagt Matthias Willenbacher, Vorstand der Stiftung und Autor des Buches „Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin“, zu Beginn des Wettbewerbs. Daher wird die 100 prozent erneuerbar stiftung sich auch weiterhin für die Bürgerenergiewende einsetzen.