Türchen No. 20: Schreckgespenst: „Flautennacht“. Müssen wir davor Angst haben?

Energieblogger Thorsten Zoerner (Stromhaltig) hat die 100 prozent erneuerbar stiftung eingeladen, Teil des Energieadvents zu sein. Der Aufforderung kommen wir selbstverständlich sehr gerne nach. Unser Mitarbeiter Peter Glasstetter hat für den heutigen 20. Dezember einen Artikel zum Thema „Flautenacht“ verfasst. Wir wünschen eine interessante Lektüre:

„In Deutschland gehen schon bald die Lichter aus.“ Hat jemand mitgezählt, wie oft wir diesen Satz in den vergangenen Jahren gehört haben? Nicht genug Kraftwerkskapazitäten gebe es, wenn die Atommeiler stillgelegt würden, der Netzum- und -ausbau komme nicht schnell genug voran, und ja, wie kann man überhaupt ruhigen Gewissens die Elektrizitätsversorgung einer Industrienation vom Formate Deutschlands den Launen von Wind und Sonne aussetzen. Was passiert, wenn der Wind nicht weht und zu allem Übel noch schwere Nebelschwaden über die photovoltaikbedeckten Kuhställe Süddeutschlands ziehen oder es gar finsterste Nacht ist? Diese Angst treibt offenbar nicht nur Ottonormalverbraucher, sondern auch Energiekommissar Günter Oettinger in Brüssel regelmäßig in den Wahnsinn und tiefste Verzweiflung.

Fest steht, dass der Strom an der Börse in diesem Jahr so günstig war, wie schon seit Jahren nicht mehr. Der Trend der vergangenen Jahre hielt damit auch in diesem Jahr an. Was bedeutet das? Niedrige Preise sprechen für ein hohes Angebot am Markt, vor allem weil der saubere Wind- und Solarstrom derzeit mit seinen Grenzkosten nahe null regelmäßig teure Spitzenlastkraftwerke aus der Merit Order (dem marktlich ermittelten Fahrplan der Kraftwerke) verdrängt. Knappheitssignale würden in hohen Preisen ihren Niederschlag finden. Deutschland verfügt derzeit über reichlich Überkapazitäten, vor allem bei der Kohle. Wenn Wind und Sonne sich rarmachen, bleibt die Versorgungssicherheit daher auf gewohnt hohem Niveau. Aber was wird sein in den kommenden Jahren, wenn die alten Kraftwerke nach und nach vom Netz gehen? Werden wir dann genug Kapazitäten haben, vor allem diejenigen flexiblen, die wir brauchen, um die zum Teil steilen Erzeugungsrampen von Wind- und Solarenergie auszusteuern?

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