Signalwirkungen der Spotmarktpreise auf die Erzeugung erneuerbarer Energien

In der konventionellen Energiewirtschaft ohne erneuerbare Energien war die Wirkung der Börsenstrompreise am Spotmarkt, also beim kurzfristigen Stromhandel, schnell erklärt: Bei hohem Verbrauch stieg der Preis und regte die Kraftwerksbetreiber an, ihre Produktion zu erhöhen. Bei niedriger Last reduzierte sich dementsprechend die Einspeisung. Der Preis transportierte ein Signal bzw. einen Anreiz zur Erzeugung, was zu einer funktionierenden Allokation, sprich der gerechten Verteilung nachgefragten und erzeugten Stroms, führte.
Durch den zunehmenden Anteil fluktuierender Erzeuger wie Wind- und Solarenergie am Energiemix ist die Signalwirkung des Preises jedoch neu zu bewerten. Da Wind- und Sonnenstrom keine kurzfristigen Erzeugungskosten haben, drängen sie teurere Technologien wie Kohle und Gas aus der Merit-Order (der Einsatzreihenfolge der Energieerzeuger) und drücken somit den Preis. Eine Signalwirkung bedeutet in diesem Fall, dass der Börsenpreis darauf reagieren müsste und im Umkehrschluss Auskunft über die Erzeugungshöhe der Erneuerbaren liefert. Daraus ließen sich die wünschten Anreize auf die Produktion ableiten und eine funktionierende Allokation wäre gegeben.
Die Untersuchung „Signalwirkungen der Spotmarktpreise auf die Erzeugung erneuerbarer Energien“ der 100 prozent erneuerbar stiftung geht genau der Frage nach, ob der Preis bei entsprechendem Wind- und Sonnenaufgebot die gewünschte Veränderung erfährt – oder was ihn stattdessen treibt. Damit steht und fällt auch die Legitimation der Marktprämie, welche laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz auf einer funktionierenden Allokation fußt.
Ein erster Blick auf die Korrelation zwischen der Gesamterzeugung fluktuierender erneuerbarer Energien (FEE) und dem Spotmarktpreis lässt erkennen, dass die nötige Signalwirkung des Preises nicht ausreichend vorliegt. Die Verbrauchslast bestimmt hingegen die Preisbildung maßgeblich. Zudem gibt es einen übergeordneten Aspekt, der die Erzeugungs- und Lastverläufe beidermaßen beeinflusst und dessen Verständnis den höheren Informationsgehalt über Produktionsanreize liefert. Dieser komplexe Faktor ist der Einfluss jahres- und tageszeitlicher Muster, welcher ebenfalls im Hinblick auf die Signalwirkung des Spotmarktpreises untersucht und quantifiziert wird.
Es lässt sich konstatieren, dass durch die multiplen Einflüsse auf die Preisbildung an der Strombörse der Spotmarktpreis nicht mehr in der Lage ist, ausreichende Erzeugungsinformationen zu transportieren und somit seine Allokationswirkung zu erfüllen. Konkret bedeutet dies für Anlagenbetreiber, dass die Inanspruchnahme der Marktprämie sich auf die nicht gegebene Tatsache stützt, eine Anpassung der Produktion ginge aus dem jeweiligen Marktpreis hervor – die Sinnhaftigkeit dieses Instruments stellt sich demnach als äußert zweifelhaft dar. Stattdessen sollten informationshaltigere Indikatoren für die bedarfsgerechte Erzeugung von Erneuerbare Energien gefunden werden, um den Energiemarkt an die Herausforderung der Integration von FEE anzupassen.

Die vollständige Aufschlüsselung der preisbildenden Faktoren und deren Wirkungsgeflecht kann in unserer achtseitigen Untersuchung in nachgelesen werden.