Erneuerbare Energien in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit: Dezentralität ist Erfolgsansatz

Ein gesicherter Zugang zu Energie ist die Grundlage für soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung von Schwellenländern.

Von René Mono.

Aus der Nutzung fossiler Energieträger zur Deckung des Energiebedarfs ergeben sich globale Probleme:

  • Erstens wirkt sich der Import negativ auf die Außenhandelsbilanzen der meisten Staaten aus.
  • Zweitens konkurrieren die Staaten um den Zugang zu fossilen Energieträgern.
  • Drittens gibt es einen global ansteigenden Energiebedarf, der die genannten Probleme verschärfen sowie negative Konsequenzen für die Umwelt mit sich bringen wird.

Bis zum Jahr 2030 wird sich der Energiebedarf im Verhältnis zu 2010 verdoppelt haben. Dies kann vor allem auf einen Anstieg des Energiebedarfs in Nicht-OECD-Ländern zurückgeführt werden (Anstieg von vier Prozent in den OECD-Ländern und 65 Prozent in Nicht-OECD-Ländern). Gerade Länder mit einem hohen prognostizierten Anstieg von Emissionen sind besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen. Die Befriedigung des Energiebedarfs mit lokalen fossilen Ressourcen hat lokale Auswirkungen wie zum Beispiel die Desertifikation. Jedoch: Aufgrund der gesunkenen Kosten für erneuerbare Energie ist der Aufbau eines atomaren oder fossilen Energiesystems in Entwicklungs- und Schwellenländern relativ kostspielig und unsinnig.

Hinzu kommt, dass Erneuerbare Energie eine soziale Komponente hat. Urbanisierung ist in vielen Fällen auf mangelnde Energieversorgung zurückzuführen. Dezentral installierte erneuerbare Energie-Anlagen können dieser Entwicklung entgegenwirken. Mit Blick auf Afrika lassen sich die entwicklungspolitischen Zusammenhänge im Energiebereich gut illustrieren: Bis 2030 wird sich der Energiebedarf in Afrika verdoppeln. Trotzdem werden 2030 noch immer 42 Prozent der in Afrika lebenden Menschen keinen Zugang zu Strom haben – aktuell sind es 58 Prozent, vor allem in ländlichen Gebieten. Ein dramatischer Zustand. Afrika bietet eigentlich sehr gute Bedingungen für die Nutzung erneuerbare Energie, insbesondere bei der Windenergie. Bei der bisherigen Diskussion um erneuerbare Energie in Afrika geht es jedoch meist um den Bau großer Staudämme und Wasserkraftwerke, die gravierende Folgeerscheinungen für die Umwelt mit sich bringen. In Zentralafrika ist die Netzversorgung unzureichend, nur unwesentlich besser ist die Situation in West- und Ostafrika. Es ist daher viel zu teurer, den Menschen einen Zugang zu den Zentralnetzen zu verschaffen, als dort dezentrale erneuerbare Energie-Anlagen aufzubauen. Ganz zu schweigen von der verbesserten den sozialen Zusammenhalt und die regionale Wertschöpfung, die dadurch entstünden.

Die dezentrale Energieversorgung braucht eigentlich gar nicht mehr so viel technologische Innovationen. Viel wichtiger ist es, einen knowledge transfer sicherzustellen, um die Menschen vor Ort zu befähigen, die erneuerbare Energie-Träger nachhaltig zu nutzen. Dafür muss das sogenannte social capital gefördert werden. Die EU-Kommission hat dies in ihrer „Road Map to a Resource Efficient Europe“ avisiert und würde folgerichtig unter knowledge transfer nicht nur einen Technologietransfer sondern auch soziale Befähigung bzw. „Sozialkapitalbildung“ verstehen.

Und um noch auf den Kostenfaktor zu sprechen zu kommen: Erneuerbare Energie ist gerade auf der Südhalbkugel die billigste Form der Energieerzeugung. Ausschreibungen außerhalb Europas erzielen schon sehr niedrige Strompreise. Trotzdem spielt das Problem der Finanzierung eine große Rolle. Die Einführung der Erneuerbaren benötigt einen hohen einmaligen Kapitalaufwand. Danach kosten die Erneuerbaren-Energie-Träger aber gewissermaßen nichts mehr. Menschen aus ruralen Räumen der Entwicklungs- und Schwellenländer schrecken aber aufgrund dieses Kapitalaufwandes vor der Einführung von erneuerbarer Energie zurück. Stattdessen werden beispielsweise Dieselgeneratoren genutzt. Diese sind in der Anschaffung (allerdings nicht im Betrieb!) deutlich billiger. Aus einem Finanzierungsproblem wird dadurch ein umweltpolitisches Problem. Es müssen intelligente Finanzierungsmodelle gefunden werden, um diese hohen einmaligen Kapitalkosten refinanzieren zu können, z.B. in Form von Mikrokrediten. Außerdem muss die Entwicklungspolitik Deutschlands und anderer Industriestaaten den Aufbau von social capital fördern und sich nicht rein auf einen Technologietransfer beschränken. Des Weiteren darf das EEG nicht einfach auf andere Staaten übertragen werden. Fehler des EEG, regionale Kontexte und neue Erkenntnisse müssen berücksichtigt werden.